|
Die amerikanische Regierung strich der IPPF (International
Planned Parenthood Federation) einen jährlichen Zuschuß von 12 Millionen US-$,
weil die IPPF eine Abtreibungsorganisation sei und die USA damit nicht
Abtreibungsprogramme fördern wolle. Dagegen sagte die Bundesregierung weiterhin
ihre Unterstützung zu.
(Pro Familia Magazin 6/84, 1/85)
Initiatorin der IPPF war Margret Sanger; sie vertrat
folgende Ideologie: Die menschliche Rasse müsse, um überleben zu können, ihr
genetisches Erbgut reinigen. Für M. Sanger gab es drei Gruppen von Menschen: die
genetisch einwandfreien, das waren Europäer und Nordamerikaner; sog.
Untermenschen, dazu gehörten zunächst Neger und Menschen der "Dritten Welt";
ferner Unter-Untermenschen, das sind die Armen, zu diesen zählte sie die
Arbeiter, Emigranten aus Südeuropa, Juden und manche religiöse Gruppen.
(Aus: `Father of Modern SocietyA u. `PPs M. S.A,
März/April 85)
Margaret Sanger -Gründerin der modernen
Gesellschaft
Einführung
Der Einfluß von Margaret Sangers INTERNATIONAL PLANNED
ARENTHOOD FEDERATION ist gegenwärtig so groß, daß man wohl sagen kann , ihre
Schlagworte und Wertmaßstäbe sind genau die unserer westlichen Zivilisation und
werden sehr bald die ganze übrige Welt beherrschen.
Um 1900 wären Margaret Sanger und ihre Familienplanung nur
als erschreckende Utopie denkbar gewesen. Wenn einem Bürger von 1900 gesagt
worden wäre, daß es in 75 Jahren höchst normal sein würde, durch mechanische und
chemische Mittel Geburten zu kontrollieren und eventuelle Mißerfolge dabei durch
weltweit gebilligte Abtreibung auszugleichen, so wäre er maßlos geschockt
gewesen. Hätte man ihm gesagt, daß um 1978 als logische Folgerung von
mechanischen und chemischen Verhütungsmitteln und Sterilisationen, von
Abtreibung der Ungeborenen bis hin zur Entfernung der Gebärmutter mit Kind,
Promiskuität und Pornographie für fast jeden akzeptabel geworden sei, er wäre zu
Tode erschrocken.
Wie sehr hat sich unsere Gesellschaft seit kurzer Zeit in
grundsätzlichen Dingen geändert! Wenn es einer bedeutenden Persönlichkeit
möglich ist, das intimste und wesentlichste Fundament der Zivilisation nicht
mehr auf moralischer, sondern auf unmoralischer Basis ruhen zu lassen, dann wird
Margaret Sanger zurecht die Begründerin der modernen Kultur genannt, und zwar
einer Kultur, die sich heute in den Werten darstellt, die Margaret Sanger und
ihre Bewunderer propagierten. Man kann Margaret Sangers Einfluß auf die moderne
Gesellschaft kaum hoch genug bewerten.
Sie verkündet eine verführerische Form von oberflächlichem
Liberalismus. Dieser billigt einer Elite-Minderheit viele Freiheiten zu auf
Kosten einer Mehrheit, die m a n beschwichtigt durch Gewähren unbeschränkter
sexueller Befriedigung ohne die Bürde der möglichen Kinder.
(1)
Margaret Sanger forderte die Begrenzung der Kinderzahl für
die unteren Klassen. Als Grund gab sie an, die Welt müsse, um überleben zu
können, ihr genetisches Potential verbessern, d . h. die arme Bevölkerung müsse
sterilisiert und die Anzahl ihrer Kinder durch Geburtslizenzen herabgesetzt
werden. (2)
Zugleich sollten die erfolgreichen Menschen und Rassen
ermuntert werden, mehr Kinder zu erzeugen, die dann als neue Führer eine neue
Welt ohne Verbrechen und Armut regieren würden; denn Armut und Verbrechen seien
ja gerade durch die Geburten genetisch minderwertiger Kinder bedingt.
Aber anders als Adolf Hitler forderte Margaret Sanger
friedliche Methoden der rassischen Reinigung. Wenn irgend möglich, sollten die
Leute für ihre Einwilligung zur Sterilisation mit Geld und Geschenken bezahlt
werden (3),
die Familien sollten begreifen, daß sie einen viel höheren Lebensstandard ohne
Kinder genießen können und wie beglückend Sexualakte in ihrer "reinsten" Form -
ohne Angst vor Schwangerschaft und Kind - sind.
Aber untersuchen wir doch Margaret Sangers Persönlichkeit im
Zusammenhang mit ihrem andauernden Einfluß auf die Gesellschaft.
Margaret Sanger: Gründerin der modernen Gesellsch aft
Margaret Sanger weihte ihr ganzes Leben dem, was sie "ihre
Sache" nannte, der internationalen Geburtenkontrollbewegung.
(4)
Sie bekämpfte die amerikanische Justiz und die christlichen
Traditionen. Sie mühte sich erfolgreich, die Gesetze, durch welche
Verhütungsmittel verboten wurden, aufzuheben . Als Präsident in der
amerikanischen Gesellschaft für Geburtenkontrolle (American Birth Control League
) veröffentlichte sie THE BIRTH CONTROL REVIEW. 1942 gründete sie die
Geburtenkontrollbewegung von Amerikas PLANNED PARENTHOOD und wurde
Ehrenpräsidentin der internationalen Geburtenkontrollbewegung INTERNATIONAL
PLANNED PARENTHOOD. Die gründete das Margaret-Sanger-Forschungszentrum, welches
die Entwicklung der "Pille" finanzierte. Sie finanzierte und organisierte
außerdem die Emigration des Deutschen Dr. Ernst Graefenberg, er war einer der
Pioniere des IUD (Spirale). (5)
Dies sind einige ihrer bekanntesten Leistungen; aber erst die
weniger bekannten erklären ihren starken Einfluß auf unsere Gesellschaft. Um
wirklich zu verstehen , woher ihre "neue Ethik" kommt, muß man Margaret Sangers
Leben von seinem Beginn her betrachten .
Margaret Sanger wurde als Kind irischer Emigranten in einer
kleinen Stadt im Staate New York geboren. Ihr Vater, ein Freidenker, verbot
Margarets Mutter den Kontakt zur katholischen Kirche und seinen elf Kindern den
Besuch der katholischen Schule. Margaret Sanger hat niemals Bedauern über ihr
Herkommen aus einer großen und armen Familie geäußert. Im Gegenteil, sie
beteuert, daß dies nie ein Nachteil war und daß sie und alle ihre Brüder und
Schwestern gesund und kräftig seien. Niemals bezog sie ihre späteren Theorien
über die negative Wirkung zu vieler Kinder auf ihre eigene Familie, denn sie
glaubte fest an die angeborene physische Überlegenheit ihrer genetischen
Veranlagung. (6)
Theorie der "Rassischen Überlegenheit" (Racial Superiority)
Nach den Theorien der rassenhygienischen Philosophie, wie sie
Margaret Sanger sowohl von ihrem Vater als auch von dem bekannten Sexologen
Havelock Ellis übernahm, wird eines Menschen wirtschaftliche und soziale
Situation im Leben allein bestimmt von seiner ererbten Überlebensfähigkeit;
diese Fähigkeit deckt ein sehr weites Feld von "sehr geeignet" ab. Margaret
Sangers Vater, Michael Higgins, war Steinmetz und fertigte Grabsteinengel an .
Er begann, sich sehr für die damals beliebte Pseudowissenschaft der Phrenologie
zu interessieren, also für das Studium der Schädelformen, aus denen man die
geistigen und charakterlichen Fähigkeiten eines Menschen erkennen wollte.
Phrenologie war der Auswuchs einer wissenschaftlichen Schule, die allgemein
"Eugenik" genannt und von den Wissenschaftlern jener Zeit sehr ernst genommen
wurde.
Schon 1904 richtete man einen Lehrstuhl für Eugenik an der
Londoner Universität ein (7),
und dieses Fach wurde sehr schnell an den Universitäten der Welt anerkannt und
verbreitet, besonders in Deutschland, England und den USA.
Die Eugeniker machten Anleihen bei Darwins Theorie vom
Überleben des Stärkeren in der Natur und wandten sie auf menschliche
Verhältnisse an. Nur die Wohltätigkeit habe die Natur aus dem Gleichgewicht
gebracht, in dem sie aus Mitleid viele Menschen künstlich am Leben erhalten
hätte, die infolge natürlicher Auslese schon längst ausgemerzt worden wären. Die
Menschen, die in Slums lebten und gemäß ihrer tierischen Natur sich wie
Kaninchen vermehrten, würden bald die Grenzen ihres Lebensraumes sprengen und
die besseren Elemente der Gesellschaft mit Krankheit und minderwertigen Genen
überschwemmen. (8)
Trotzdem, auch in der Geburtenkontrolle sah man ein mögliches
Risiko. Sozialwissenschaftler fürchteten, daß die falschen Leute
Geburtenkontrolle betreiben würden; man hatte ja schon festgestellt , daß die
Harvard-Absolventen von 1900 entweder nur ein oder gar kein Kind hatten. (9)
Interessanterweise lauteten denn auch
die frühesten Slogans der Sangerschen Geburtenkontrollbewegung: "Mehr Kinder von
Tüchtigen, weniger von Versagern, das ist das Ziel der Geburtenkontrolle"
(10),
und "Geburtenkontrolle schafft eine Rasse von Vollblütern."
(11)
Von Anfang an war Geburtenkontrolle das von der sozialen
Elite angewandte Mittel zur Senkung der Anzahl der gesellschaftlichen
Unterschichtler. Die beiden oben angegebenen Zitate stehen nicht allein. In den
zwanziger und dreißiger Jahren war man sich ganz im klaren über die Verbindung
von Geburtenkontrolle und eugenischer Denkweise. Die BIRTH CONTROL REVIEW, die
Margaret Sanger von 1917 bis 1938 herausgab, enthält hochqualifizierte Beiträge
von weltbekannten und anerkannten Eugenikern, darunter Naturwissenschafter,
Ärzte und Psychologen.
Eine besonders erschreckende Verbindung besteht zwischen Dr
. Lothrop Stoddard und der Geburtenkontrollbewegung.
Stoddard, einer der Direktoren der amerikanischen Bewegung
für Geburtenkontrolle (die Präsidentin war Sanger), hatte in Harvard promoviert
und schrieb verschiedene Bücher, in denen er lautstark rassistische Parolen
gegen Schwarze und andere Minderheiten vertrat.
(12) 1940
schrieb er ein Buch mit dem Titel "Into the Darkness. Nazi-Germany Today"
(Hinein in die Finsternis. Nazi-Deutschland heute). In einem Kapitel,
überschrieben "In einem eugenischen Gericht", äußert er seine Bewunderung für
die Methoden der Nationalsozialisten, die ihre Rassenprobleme durch
Sterilisation minderwertiger Menschen lösen. Stokkard wohnte einer Sitzung des
eugenischen höchsten Gerichts bei. Er faßte seine Eindrücke so zusammen: "Das
Sterilisationsgesetz merzt die schlechten Anlagen in der germanischen Rasse in
wissenschaftlicher und wahrhaft humaner Weise aus."
(13)
1936 nahm Margaret Sanger an einem Round-table-Gespräch der
amerikanischen Eugenischen Gesellschaft teil und hörte den Bericht Dr. Marie
Kopps über die eugenische Sterilisation in Deutschland.
(14)
Dr. Kopp hatte ein Stipendium für das Studium in Deutschland
erhalten. Sie stellte fest, daß es "außer religiösen Skrupeln wenig Einwände
gegen Zwangssterilisation gibt". Sie berichtete auch, daß das deutsche
Sterilisationsgesetz nicht übereilt erlassen worden wäre, sondern erst nach
sorgfältigem Studium des Sterilisationsprogramms in Kalifornien, das getragen
wurde von d e r HUMAN BETTERMENT FOUNDATION (heute als Vereinigung für
freiwillige Sterilisation bekannt). Kopp stellte fest, die Deutschen
betrachteten es als "unmöglich, solche - etwa eine Million Menschen betreffende
Risiken auf sich zunehmen, ohne anderswo gewichtige Voraus-Erfahrungen gemacht
zu haben."
Entwicklung der Sangerschen Philosophie
Die Entwicklung der Sangerschen Philosophie ist identisch mit
der ihres Lebens. Margaret Sanger konnte dank der großzügigen Unterstützung
ihrer zwei älteren Schwestern eine Privatschule am Hudson River besuchen. Hier
traf sie mit Kindern sozial hochgestellter Familien zusammen. Ein Freund
vermittelte ihr die Schwesternausbildung am White Plains Hospital. Aber schon
drei Monate später hörte sie dort auf und heiratete William Sanger, einen
vielversprechenden Architekten und Künstler aus einer begüterten Familie. Sie
entwarfen und bauten ein schönes Haus in der Columbia Colony am Hudson River,
einem anspruchsvollen Intellektuellen- und Künstlerviertel. Margaret Sanger war
geradewegs von der Armut ihrer Jugend zu dem immer erstrebten Lebensstil empor
gestiegen. Sie schickte ihre drei Kinder auf eine Privatschule und wurde für
ungefähr zehn Jahre Hausfrau.
William Sanger war ein Ehemann, der alles für seine Frau tat,
also zogen sie, als Margaret rastlos wurde, nach Greenwich Village, einem New
Yorker Bohemeviertel. (15)
In New York besuchte sie den liberalen Klub "Mabel Dodge's
Salon", sie lauschte Eugene Debs, dem berühmten Sozialistenführer, und Emma
Goldmann, der Agitatorin , Feministin und offenen Verfechter in der
Wunschkindideologie. (16)
Margaret Sanger schloß sich den Sozialisten und der örtlichen
Fünften Kolonne an und organisierte die New Yorker Frauen.
(17) Sie
war erfüllt von Idealvorstellungen für eine bessere Welt für jedermann . Sie
hoffte, ein Heilmittel gegen Tod und Armut in den Slums zu finden und wechselte
schnell vom Sozialismus zu anarchistischen Revolutionsideen.
(18)
An der Francisco-Ferrer-Schule hörte Margaret Sanger Wil
Durant, einen abtrünnigen Jesuiten. Ferner Emma Goldmann, Claren ce Darrow und
viele andere. Hier wurde sie mit den Gedanken und Schriften der Ellen Key, einer
schwedischen Feministin und Autorin von "The Woman Movement" (1912), vertraut.
Von dieser Frau übernahm Margaret Sanger ihre zählebigen Ideen über Frauentum
und Ehe. Miß Keys Buch stellt Nietzsches System der subjektiven Moral dar, das
der heutigen Situationsethik entspricht.
Ehe ist ein Übel
Aus diesem Buch bezog Sanger ihre Philosophie, daß dem
Menschen volle Freiheit bezüglich seiner Selbstverwirklichung und Entwicklung
gewährt werden müsse, und daß allein die individuelle sexuelle Befriedigung -
nicht Gesetz oder Tradition - die Ehe heiligt. Ehen, die der Frau keine sexuelle
Befriedigung schenken, müßten geschieden werden, denn körperliche Liebe sei ein
höheres Gebot als das bloße Gesetz. (19)
Margaret Sanger versetzte der Institution Ehe den ersten
Schlag:
"Das Ehebett hat den verderblichen Einfluß in der sozialen
Ordnung." (20)
Sie beschwor die freiwillige Bindung zwischen
Sexualpartnern und ersetzte dadurch erfolgreich die kleinste Zelle der
menschlichen Gemeinschaft - die Familie - durch bloße sexuelle
Individualbeziehungen.
Den traditionellen Werten der Familie, ihrem Moralgefüge und
ihrer Dauer wurde ein tödlicher Schlag versetzt. Alle diese Utopisten der
Vorkriegsjahre waren von tiefer Sympathie für die Unterprivilegierten beseelt.
Sie waren Anarchisten, die glaubten, durch die Abschaffung von Gesetz und
Ordnung individuelle Freiheit schaffen zu können, die dann die Menschen dazu
brächten, ihren weniger glücklichen Brüdern zu helfen. Sie forderten eine
gleichmäßigere Verteilung des Wohlstandes, um die Leiden der Armen zu beheben.
In den liberalistischen und anarchistischen Strömungen gab es unterschiedliche
Ansichten betreffend Geburtenkontrolle bei der arbeitenden Bevölkerung. Sie
beriefen sich dabei auf die Notwendigkeit, die Proletarier schon allein durch
ihre wachsende Anzahl schlagkräftiger zu machen. Andere Sozialisten dagegen
forderten einen Geburtenstreik, der das Arbeiterangebot verringern und dadurch
die Löhne in die Höhe treiben sollte. In dieser Zeit war Geburtenkontrolle für
Margaret Sanger ein Mittel des Arbeitskampfes und damals war sie deutlich, aber
eben nur zeitweise auf Seiten der Armen.
"Menschlicher Abfall"
Es brauchte nur acht Jahre, um Sanger eine vollständige
Kehrtwendung machen zu lassen: sie war nicht mehr auf der Seite der Armen. Sie
richtete die Geburtenkontrollbewegung gegen die Menschen, denen sie früher hatte
helfen wollen.
Als ihre Geburtenkontrollbewegung sich festigte, wandelte
sich ihre Sympathie in Verachtung, ihre Großzügigkeit in tyrannische
Kontrolle. Nun wollte sie die Geburtenkontrolle einsetzen zur Verringerung
derjenigen, die sie als "menschlichen Abfall " einstufte, und sie wollte
zugleich andere stärken, die zu einer gehobenen Bevölkerungsschicht gehörten
und ihrer Ansicht nach besser zur Herrschaft geeignet waren. Diese überlegene
Klasse wollte Sanger schützen vor einer auf demokratischen
Mehrheitsbeschlüssen beruhenden Politik.
(21)
1922 veröffentlichte sie ihre neue Philosophie in "The
Pivot of Civilization " (Dreh - und Angelpunkt der Zivilisation) - eine
Philosophie, welche Behauptungen wie die folgende enthielt : "Die
Philanthropen, die kostenlose Schwangerschaftsfürsorge unterstützen, tragen
dazu bei, daß gesünderen und normaleren Bevölkerungsteilen die Last der sich
gedankenlos und kriminell vermehrenden Bevölkerung aufgebürdet wird. Dies
bringt - und ich glaube, der Leser muß mir da zustimmen - ein tödliches
Übergewicht "menschlichen Abfalls "(!) mit sich. Anstatt die Schichten, die
für die Zukunft der Menschen und der Welt am verderblichsten sind, zu
vermindern und ihre Vernichtung anzustreben, gibt es eine Tendenz, sie
bedrohlich anwachsen zu lassen." (22)
.
1920 stellte Sanger nachdrücklich einige im Gegensatz zur
Erfahrung stehende Behauptungen auf. Sie beklagte die steigende Anzahl der
Emigranten aus Süd - und Osteuropa (Juden und Italiener) und war sehr besorgt
über ihre relativ größere Fruchtbarkeit nach ihrer Einwanderung in die USA.
Sie bekam zunehmend Schützenhilfe von Seiten der bigottesten Amerikaner.
(23)
Margaret Sanger war nun ganz ins Lager der Eugeniker übergewechselt, die
versuchten, Geburtenkontrolle bei Slumbewohnern und Armen populär zu machen.
In den armen Leuten sah sie eine echte Bedrohung der Angelsachsen auf
politischem und wirtschaftlichem Gebiet, allein schon auf Grund der
zahlenmäßigen Überlegenheit dieser "Slawen, Lateiner und Hebräer". Es ist kaum
ein Zufall, daß Sangers erste Geburtenkontrollklinik im New Yorker Stadtteil
errichtet wurde, dort, wo überwiegend die neu emigrierten Slawen, Lateiner und
Hebräer wohnten. Sie wurde von Freunden, die sie in England gefunden hatte,
unterstützt. (24)
Die Reise, die Sanger im Herbst 1914 nach England führte,
hatte einen beachtlichen Einfluß auf ihre soziale Philosophie und änderte ebenso
entscheidend ihr persönliches Leben. Kurz nach ihrer Ankunft traf sie Dr. H.
Ellis, Autor und Sexologe. Dieser gewann Sanger für die eugenischen Ideen und
machte sie mit den Arbeiten der amerikanischen Oneida-Gesellschaft (American
Oneida Community) bekannt. Diese 1841 von John Humphrey Noyes begründete
Gesellschaft sagte der zufälligen Zeugung, wie sie ihrer Ansicht nach in der
traditionellen Ehe unvermeidbar war, den Kampf an und befürwortete eine
sogenannte komplexe Ehe, die nach strengen genetischen Vorschriften zukünftige
Eltern so auswählte, daß sie die Garantie für möglichst hochwertige Kinder
boten. (25)
Diese Forderung ist später unter den Nazis in den
Zuchtstätten LEBENSBORN verwirklicht worden.
(26)
Damals, als Sanger Dr. Ellis traf, waren dessen eugenische
Lösungsvorschläge für soziale Probleme schon weit gediehen. In seiner
Veröffentlichung "Die Probleme der Rassenerneuerung" von 1911 plädierte Ellis
dafür, Bedürftige nur dann nach dem Armenrecht zu unterstützen, wenn sie sich
"freiwillig" der operativen Sterilisation unterwerfen.
(27)
Seine Schriften erschienen über Jahre, Monat für Monat, in der BIRTH CONTROL
REVIEW.
Für die Herausgeberin Sanger war Ellis so etwas wie ein
Heiliger. Alle Bücher, die er über Sex und sexuelle Abnormitäten schrieb, hatten
den einen Tenor: normal ist jede sexuelle Verhaltensweise, solange sie keinen
körperlichen Schaden anrichtet. (28)
Er glaubte, daß dem Menschen kraft seiner Wissenschaft die Herrschaft über Leben
und Tod zustände, und deshalb war er ein unnachgiebiger Verfechter des
Euthanasiegedankens. (29)
Ellis war von der halluzinogenen Droge Meskalin abhängig, was sicher auch zu
seinem seltsamen pantheistisch gefärbten Glauben an einen unpersönlichen Gott
beitrug. (30)
Scheidung und Wiederheirat
Bald nahm Margaret Sangers Charme Ellis ganz gefangen, und er
erklärte, daß er sich noch nie vorher so schnell und vollständig zu einer Frau
hingezogen gefühlt habe. Sehr bald begann er ein sexuelles Verhältnis mit ihr.
Zur selben Zeit bereiste seine Ehefrau die USA und hielt Vorträge, deren Honorar
den finanziellen Ruin des Ellisschen Haushalts abwenden sollte. Edith Ellis
liebte ihren Mann sehr, fühlte sich aber auf sexuellem Gebiet von ihm
enttäuscht. Seine häufigen außerehelichen Affären trieben sie in lesbische
Beziehungen. (31)
Ellis verheimlichte sein Verhältnis zu Margaret Sanger und
schrieb auch seiner Frau lange nichts darüber. Als er es dann endlich tat, war
Edith Ellis ganz gebrochen. Nach ihrer Rückkehr nach England machte sie einen
Selbstmordversuch, da sie glaubte, ihren Mann endgültig an Margaret verloren zu
haben. (32)
In ihrer stark auf Wirkung bedachten Autobiographie macht
Sanger die vielen Stunden, die sie "ihrer Sache" widmete, für das Scheitern
ihrer Ehe mit William Sanger verantwortlich: es ist aber viel wahrscheinlicher,
daß ihr Verhältnis mit Ellis und dessen Auffassungen über die Ehe die Gründe
dafür waren. (33)
1922 heiratete Sanger J. Noah Slee, den Präsidenten der
Three-in-One-Oil Company, und diese neue Ehe wurde von ihr nach den von ihr
bewunderten Prinzipien der Ellisschen Eheauffassung gestaltet.
(34)
Sie und ihr neuer Gatte hatten getrennte Wohnungen, und die
jeweiligen Treffen wurden durch Sekretäre abgesprochen. Viele können sich
Sangers Wahl nicht recht erklären. Sie verweisen auf ihre Einzigartigkeit; denn
die Ehe mit einem praktizierenden Mitglied der Episkopalkirche schien so gar
nicht zu einer Frau zu passen, die zu den "Rosenkreuzern" gehörte und sich stark
zur indischen Mystik hingezogen fühlte. Slee war übrigens zufrieden mit diesem
Arrangement und wurde der Hauptgeldgeber für die Geburtenkontrollbewegung.
(35)
Ihre Heirat mit Slee veränderte Margaret Sangers soziales
Umfeld und die Richtung der Geburtenkontrollbewegung. Sanger betreute nicht mehr
arme Mütter in den Slums im Osten der Stadt, sie wurde zur alles bestimmenden
Führerin einer Bewegung, die 1926 bezeichnenderweise von weißen, im Lande
geborenen protestantischen Amerikanern mit überdurchschnittlichen Einkommen und
gehobener Erziehung getragen wurde. (36)
Jetzt hatte Margaret Higgins-Sanger, die Tochter verarmter
irischer Einwanderer, verheiratet mit einem außergewöhnlich wohlhabenden und zur
Elite gehörenden Mitglied der Episkopalkirche, genug Zutrauen zur eigenen Person
und Philosophie, um ihre Pläne - zur Steuerung des Sozialgefüges durch
Geburtenkontrolle - der amerikanischen Öffentlichkeit vorzustellen und sie in
die Tat umzusetzen.
"Die meisten Amerikaner sind geistesschwach"
An dieser Stelle ist es nun wichtig, die Bezeichnung
"geistesschwach" zu definieren. Eine Bezeichnung, die auf dem
Stanford-Binet-IQ-Test (Intelligenzquotient) basiert. In den zwanziger Jahren
glaubte man felsenfest, daß der Intelligenzquotient angeboren, unveränderlich
und damit ererbt sei. (37)
Im ersten Weltkrieg wurden amerikanische Soldaten nach
Volksgruppen dem IQ-Test unterworfen. Nach diesen Untersuchungen war der
Durchschnittssoldat beinahe ein Schwachsinniger und solche Gruppierungen wie
Neger oder Südeuropäer waren danach den einheimischen weißen Amerikanern geistig
weit unterlegen. (38)
In ihrer Veröffentlichung "Pivot of Civilization" führt
Margaret Sanger aus, mit Hilfe des IQ-Tests könne man erkennen, daß es sehr
wohl geistig defekte Menschen gebe, die "sprachgewandt, gescheit aussehend und
attraktiv" seien, trotzdem aber auf dem geistigen Stand von Sieben-, Acht-
oder Neunjährigen stünden. Diese würden das Intelligenzniveau von Schule und
Gesellschaft senken, da ja sowohl Kirche als auch Staat sie ermutigten, sich
übermäßig zu vermehren und auszubreiten. So prägte sie dann "nach ihrem
Muster" eine ganze Gesellschaft. (39)
Sanger glaubte, 70% der Amerikaner hätten das geistige Niveau von höchstens
Fünfzehnjährigen. (40)
Diese Menschen seien geistesschwach. Sie nannte sie eine
Bedrohung des Volkes und fürchtete, sie könnten eine Revolution entfesseln,
deren Opfer die intelligenteren Bevölkerungsschichten wären.
(41)
Wiederholt griff Sanger die südeuropäischen Emigranten aus dem katholischen
Italien an, die unbelehrbar dem Diktat ihrer Kirche folgten und sich gehorsam in
schwachsinnigen Kindern fortpflanzten und das alles zu Lasten der wertvolleren
Gesellschaftsklassen.
In "Birth Control Review" vom April 1932 erschien ein Artikel
mit dem Tenor, daß durch Zölibat von Priestern und Nonnen, die ja die
intelligenteren und hervorragenderen Typen unter den Katholiken seien, die
katholische Bevölkerung schrecklich degeneriert und von unvorstellbar niedriger
rassischer Gesundheit sei. (42)
Friedlicher Völkermord
Was für eine hoffnungslos düstere Welt hatte sich Margaret
Sanger da geschaffen: sieben von zehn Menschen, die ihr auf der Straße
begegneten, waren schwachsinnig und verantwortungsloses Zuchtvieh, dessen
Fruchtbarkeit sie unter Kontrolle bringen wollte, ehe sie eine Revolution vom
Zaune brächen. Was für eine gewaltige Aufgabe stellte sie sich, beherzt
skizziert in ihrem "Plan für den Frieden", einem geschickt abgefaßten Plan für
den friedlichen Völkermord: (43)
Einreiseverbot für solche Ausländer, deren Kondition die
Rasse schädigt, wie z.B. Schwachsinnige, Juden und Katholiken sollte die
Einreise verwehrt werden, in dem man sie nach dem Stanford-Binet-IQ-Test als
schwachsinnig einstuft.
Eine unnachgiebige und strenge Sterilisationspolitik.
Eine Isolierung derjenigen Bevölkerung, deren Nachkommenschaft bereits
geschädigt oder deren Erbgut nicht einwandfrei ist.
Schutz der Allgemeinheit gegen eventuelle zukünftige
Belastungen, die durch mögliche Nachkommen schwachbegabter Eltern verursacht
werden. Stimmen solche Personen einer freiwilligen Sterilisation zu, sollen
sie im Alter durch eine entsprechende Pension abgesichert sein.
Den genetisch minderwertigen Teilen des Volkes ("dysgenic
groups") soll die Wahl zwischen Isolierung (Ghettoverwahrung) und
Sterilisation gelassen werden (eine sehr dehnbare Aussage, wenn man bedenkt,
daß man unter "dysgenic groups" einfach Menschen mit schlechten Genen
verstand).
Diesen abgesonderten Personen soll Farmland und
Unterkunft zugeteilt werden, wo sie dann unter fachkundiger Anleitung ihr
ganzes Leben arbeiten sollen (also praktisch in einem Konzentrationslager).
Es soll eine Bestandsaufnahme nach Kriterien wie
Analphabeten, Sozialhilfeempfänger, Arbeitsunfähige, Kriminelle,
Prostituierte und Rauschgiftabhängige gemacht werden; dann sollen diese
Menschengruppen in speziellen Abteilungen unter medizinische Aufsicht
gestellt und in Arbeitshöfen oder anderen öffentlichen Einrichtungen
verwahrt werden, bis sie gebessert sind und ein moralisches Verhalten
entwickelt haben.
Damit hätte man dann einen beträchtlichen Teil der
Bevölkerung eingesperrt und - anstatt ihn zu bestrafen - gesundheitlich
betreut, d. h. isoliert . Sicherlich hätten auf diese Weise 15 oder 20
Millionen Menschen - durch ihren vorbildlichen Verzicht auf Nachkommenschaft -
zahllose Kinder vor dem Unglück ihrer genetischen Benachteiligung bewahrt.
(Anders ausgedrückt: die Fortpflanzungsfähigkeit aller Menschen mit
minderwertigen Genen oder unnormalen Verhaltensweisen würde so gewaltsam
unterbunden).
Sanger kultiviert die amerikanische Nazidoktrin
Im April 1933 widmete "Birth Control Review" ein ganzes Heft
der eugenischen Sterilisation.
Die Ausgabe brachte einen Artikel von Prof. Dr. Ernst
Rudin, der unter Hitler Kurator des Kaiser-Wilhelm-Instituts für
Anthropologie, Humangenetik und Eugenik war.
(44)
Dieser Artikel "Eugenische Sterilisation: eine dringende Notwendigkeit"
vermittelte den amerikanischen Verfechtern der Geburtenkontrolle eine klare
Botschaft: "Wir sollten, ohne zu zögern, handeln. Es ist nicht nur unsere
Aufgabe, die Multiplikation schlechter Rassen zu unterbinden, es ist genau so
unsere Pflicht, die gutbegabten Rassen zu erhalten und die Geburtenrate der
gesunden Durchschnittsbevölkerung zu erhöhen."
(45)
Rudin zählte zur sogenannten schlechten Rasse
beispielsweise einen jungen Mann mit einer harmlosen Phimose
(Vorhautverengung), da ein solcher "unfähig zu außergewöhnlichen Leistungen im
Sport, im Leben, im Krieg oder bei drohender Gefahr" sei und empfahl, ihn zu
sterilisieren, ja , er forderte sogar rigoros eine Zwangssterilisation.
Der Massenmord an psychisch Kranken wurde organisiert und
mit voller Billigung Rudins ausgeführt; er warnte seine Gefolgschaft vor
"übermäßigem Mitleid und vor Nächstenliebe".
(46)
Margaret Sanger sprach oft genug die gleiche Warnung aus.
Viele führende amerikanische Eugeniker wie Paul Popenoe,
Lothrop Stoddard , Leon F. Withney, Harry Laughlin , C. C. Little und Guy
Irving Burch, die alle der amerikanischen Geburtenkontrollbewegung eng
verbunden waren, machten kaum einen Unterschied zwischen Eugenik und den
Zielen der Nazis.
Paul Popenoe forderte vehement die Sterilisation von zehn
Millionen Amerikanern und pries die Deutschen,
(47)
die "einer Politik zusteuerten, die mit dem wertvollsten Gedankengut der
Eugeniker aller zivilisierten Länder übereinstimmt".
(48)
Leon F. Withney, ein bedeutender Verteidiger der eugenischen Sterilisation,
schrieb: "Das amerikanische Judentum argwöhnt natürlich, daß der deutsche
Kanzler seine Gesetze speziell zur Sterilisation der deutschen Juden erlassen
hat, aber ich glaube, dieser Gedanke ist weit von der Wahrheit entfernt."
(49)
Withneys Artikel "Selektive Sterilisation" stellt fest: "Es wird behauptet,
daß der Erfolg einer Demokratie von der Qualität ihrer Menschen abhängt. Dies
ist wahr, und deshalb hat Amerika zwei Dinge zu tun. Erstens, diejenigen, die
physisch und geistig so beschaffen sind, daß sie der Gesellschaft nützen,
müssen unterstützt werden; und zweitens müssen die, die physisch, geistig und
sozial unzulänglich sind, an der Fortpflanzung gehindert werden."
(50)
Withney schlug einschränkende Ehegesetze, eugenische
Propaganda und Geburtenkontrolle zur Verbesserung des amerikanischen Erbgutes
vor.
Hitler und Sanger - Hand in Hand
In derselben Absicht bediente sich Adolf Hitler der
Geburtenkontrolle, in dem er den Ariern Geburtenkontrolle und Abtreibung
untersagte und rassisch hochstehende Eltern für das Hervorbringen von Kindern
belohnte. Gleichzeitig überzog er die östlichen Territorien außerhalb
Deutschlands, wo er einen Bevölkerungszuwachs unbedingt stoppen wollte, mit
einem Propagandafeldzug für Geburtenkontrolle und Abtreibung.
Geburtenkontrolle wurde als absolut sicher und die Geburt als
Gesundheitsrisiko hingestellt. Informationen zur Geburtenkontrolle waren leicht
erhältlich. Hitler sagte: Im Hinblick auf die großen Familien der eingeborenen
Bevölkerung könne es uns nur recht sein, wenn die Mädchen und Frauen dort so
viel wie möglich abtrieben. Reger Handel mit Verhütungsmitteln solle in den
Ostgebieten eifrigst unterstützt werden, da man doch unmöglich das leiseste
Interesse am Zuwachs von nicht germanischen Völkern haben könne.
(51)
Himmler, der Hitlers Befehle in die Tat umsetzte, leitete den
Propagandafeldzug, der diese minderwertigen Leute davon überzeugen sollte, daß
viele Kinder bloß Schaden brächten. Harry H. Laughlins Beitrag zu dieser
speziell der Geburtenkontrolle gewidmeten Ausgabe von "Birth Control Review"
stellt fest, daß bis Dezember 1931 in verschiedenen Bundesstaaten der USA nach
unterschiedlichen Gesetzen 15000 Sterilisationen durchgeführt worden waren, aber
bei keiner davon sei ein eugenischer Fehler unterlaufen, denn nicht einer der
Sterilisierten und keines der so verhinderten Kinder wären je von Nutzen für den
Staat geworden. (52)
Laughlins Mustergesetz zur eugenischen Sterilisation, das von
Hitler übernommen wurde, brachte ihm 1936 die Ehrendoktorwürde der Universität
Heidelberg ein, jener deutschen Universität, die zum Zentrum der Diskussionen
über Rassenprobleme geworden war. (53)
Zur selben Zeit veröffentlichte Margaret Sanger ihre Pläne
für einen gutorganisierten, sanften Völkermord. Biologen, Soziologen, Eugeniker
und Psychologen leisteten ihr dabei Schützenhilfe. Aber wie sollte sie vorgehen,
um die Zustimmung der amerikanischen Öffentlichkeit zu bekommen? Sanger, die ein
gutes Einfühlungsvermögen in volkswirtschaftliche Zusammenhänge hatte,
appellierte an die Sparsamkeit der Bevölkerung. Ihr Eintreten für die eugenische
Sterilisation würde eben jenen Leuten niedrigere Steuern bescheren, denen man
viele Kinder zubilligte. Sanger macht das sehr klar, wenn sie sagt: "Es gibt nur
eine einzige Antwort auf die Forderung nach einer höheren Geburtenrate bei den
Intelligenten:
Die Regierung muß gebeten werden, die Last der Ungesunden und
Schwachsinnigen von ihnen zu nehmen. Sterilisation ist dafür die Lösung."
(54)
Für Margaret Sanger war Wohltätigkeit grausam und
Menschenliebe sentimental, weil dadurch die Untauglichen ermutigt würden, Kinder
in die Welt zu setzen, und damit den amerikanischen Steuerzahler belasteten. Ihr
Wertsystem war viel utilitaristischer als alles, was amerikanische konservative
Gesetzgeber jener Zeit zu akzeptieren bereit waren.
M. Sanger: Feindin der Demokratie
M. Sanger beurteilte die amerikanische Demokratie mit
ätzender Kritik. Sie betrachtete sich als "pessimistischen Beobachter" und
glaubte, daß die gesetzgebende Führung Amerikas nur dank ihrer "schlitzohrigen
Schlauheit" die Stimmen der rassisch blinden Masse gewinnen konnte und so zu Amt
und Würden kam. Sie glaubte sogar, daß die Regierenden selbst "anscheinend
geistig und körperlich untauglich" seien.
(55)
Sanger verabscheute das demokratische Verfahren, das jedem
Bürger eine Stimme gibt. So schrieb sie in der "Birth Control Review" vom April
1925: "Wir können alle wählen, sogar die geistig Beschränkten. Und so ist es
keine Überraschung, daß die Stimme des Idioten ebensoviel gilt wie die Stimme
des Genies. Die Aussichten sind wenig erfreulich."
Nach Margaret Sangers Vorstellung sollte lieber die
angelsächsische Elite eine aristokratische Regierung bilden, als dieses Geschäft
dem zahlenmäßig überlegenen Teil der Bevölkerung zu überlassen, die ja nur aus
wahlloser Zucht eines minderwertigen Pöbels stamme. Sangers Gedankengänge
deckten sich völlig mit den Theorien Hitlers, der die Stammbäume aller
potentiellen zukünftigen Regierungsmitglieder persönlich überprüfte, ebenso wie
die der Angehörigen der SS und der Elitegruppen.
(56)
Das Wirtschaftssystem des Dritten Reiches entsprach
ziemlich genau Margaret Sangers Wünschen. Dr. H. Paull, einer von Hitlers
Experten für Rassenhygiene, erläutert des Führers Wirtschaftsverständnis sehr
gut, wenn er 1934 ausführte: "Dank der öffentlichen Wohlfahrt braucht ein
großer Teil der Bevölkerung sich nicht mehr um die materielle Versorgung der
Kinder zu kümmern. Wenn Eltern kein Geld für die lebensnotwendigen Bedürfnisse
aufbringen können, übernimmt der Staat diese Aufgabe. Das betrifft meistens
solche Kinder und Eltern, die keineswegs stolz auf ihr Erbgut sein können, und
die deshalb in erbbiologischer Hinsicht ungeeignet für die Erzeugung von
Nachwuchs sind. Man weiß aber, daß gerade minderwertige Familien keinerlei
Skrupel haben , Kinder hervorzubringen.
(57)
Dies könnte Wort für Wort übernommen sein aus Margaret
Sangers Buch "Pivot of Civilization". In dem so treffend bezeichneten Kapitel
"Die Grausamkeit der Nächstenliebe" heißt es:
"Überall begegnen uns Armut und große Familien Hand in Hand.
Also gerade die, die am wenigsten dazu taugen, eine Rasse zu erhalten, vermehren
sich am stärksten. Leute, die ihren Nachwuchs nicht selber unterhalten können,
werden von Kirche und Staat zur Produktion großer Familien ermuntert. Viele der
so erzeugten Kinder sind krank oder schwachsinnig, viele werden kriminell. Dem
gesunden Teil der Bevölkerung wird dann die Last des Unterhaltes für die
unerwünschten Typen aufgebürdet. Das Geld, das zur Hebung unseres
Zivilisationsstandards dienen könnte, wird so zum Unterhalt derer verschleudert,
die nie hätten geboren werden dürfen." (58)
International Planned Parenthood heute
Vielen Lesern vermittelt ihr soziales Gewissen die
Erkenntnis, daß Armut eher aus Benachteiligung als aus ererbter genetischer
Minderwertigkeit entsteht. Ihnen mögen die vorgenannten Behauptungen Sangers
absurd oder wenigstens veraltet erscheinen.
Aber sind sie es? Haben Margaret Sangers Schüler, die heute
in der internationalen Geburtenkontrollbewegung tätig sind, ihre Ideologie
zugunsten einer humaneren aufgegeben?
Als die Weltöffentlichkeit die logischen Konsequenzen von
Hitlers auf rassenhygienischen Theorien begründeten Totalitarismus begriff,
mußte Margaret Sangers Geburtenkontrollbewegung ihre bisherige eugenische
Redeweise schnellstens ändern. Mit Rassenhygiene rechtfertigten die Nazis in
Deutschland die Massensterilisation und Euthanasie von
angeblich untauglichen Menschen und zweifellos auch die Ausrottung von sechs
Millionen Juden. (59)
Die Führer der amerikanischen Geburtenkontrollbewegung
spürten den Abscheu und die Panik, die um sich griffen. Sie sahen ein, daß sie
nur dann als soziale Pioniere die Gesellschaft verändern könnten, wenn sie die
Geburtenkontrolle, durch die sie den sog. "menschlichen Abfall" aus der
amerikanischen Bevölkerung zu eliminieren gedachten, in einer subtileren und dem
okratischeren Weise anpriesen. Schönfärberisch sprach man von "Planned
Parenthood" (geplante Elternschaft)
statt von amerikanischer Geburtenkontrollbewegung. Die
Statistiken von heute beweisen, daß durch PLANNED PARENTHOOD Margaret Sangers
Träume Wirklichkeit geworden sind. Leben wir jetzt in der schönen neuen Welt,
wie sie Margaret Sanger als Erste visionär beschwor? (Übersetzt von Gudrun
Opitz)
Quelle: www.aktion-leben.de
| |